Wichtigmachen kann ich.

Was für 1 Trip! Für das Magazin FOOD & FARM war ich Anfang November einige Tage in Italien unterwegs – genauer in Apulien. Das ist ganz unten am Stiefelabsatz. Neben tonnenweise besten regionalen Speisen (gefüllte Aubergine, hausgemachte Pasta, Tintenfisch, Miesmuscheln und alle möglichen anderen Meeresfrüchte), wurde mir gezeigt, wie Mozzarella hergestellt wird und welcher Wein am besten zu welchem landestypischen Gericht passt. Aber das beste an dem Kurztrip: Ich durfte bei der Olivenernte dabei sein. Und sogar „mithelfen“.

Apulien ist eines der größten Oliven-Anbaugebiete überhaupt. Hier stehen knapp 3000 Olivenbäume pro Quadratkilometer, viele davon sind über 800 Jahre alt. Auf den Hügeln steht ein knorriger Stamm neben dem anderen, ein Teppich aus Baumkronen ist von weitem zu sehen. Im Oktober und November steht hier alles Kopf. Denn dann ist Erntezeit. Die Olivenbauern trommeln Familie, Freunde sowie einige zusätzliche Helfer aus Osteuropa zusammen, um die aromatischen Früchte vom Baum zu holen.

Irgendwie habe ich mir die Olivenernte ein bisschen romantischer vorgestellt. In meinem Kopf habe ich die Erntehelfer tatsächlich beim pflücken am Baum gesehen. In Wirklichkeit läuft das Ganze heute natürlich auch mit Hilfe von Maschinen ab. Dennoch war es ein echtes Abenteuer da dabei zu sein.

Und so gehts:

Fangnetze zwischen den Stämmen auslegen

 

Dann kommt der Greifarm. Die Maschine rüttelt ein paar Sekunden kräftig am Baum und schüttelt schon mal die allermeisten, reifen Oliven herunter. Sieht lustig aus, für den Baum ist es sicher nicht ideal. Die Tortur dauert aber zum Glück nur wenige Sekunden. Klingt irgendwie ein Maschinengewehr. Wie gesagt: Nicht sehr romantisch…

 

 

Auch ich durfte mal den Greifarm mal bedienen.

 

Die restlichen Oliven werden dann doch per Hand vom Baum geholt. Allerdings nicht mit spitzen Fingern, sondern mit Hilfe von eigens konstruierten Ernte-Stangen. Die haben am oberen Ende zwei kleine Rechen, die wie zwei Flügel sehr schnell auf und wieder zuschlagen. Die Erntehelfer geben damit auch den letzten Oliven am Baum noch einen Schups und sie landen im Fangnetz.

 

 

Die vollen Netze werden wieder zusammengerafft.

 

 

Die Oliven angehäuft, auf die Maschinen geladen und schließlich abtransportiert.

 

 

Nun kommen sie zur weiteren Verarbeitung in die Olivenpressen. Auch die habe ich besucht. Wieder waren meine Erwartungen völlig anders, als die Realität. Das Ganze läuft ähnlich ab wie in einer Apfelpresse, der Prozess bis zum fertigen Öl dauert nur etwa 40 Minuten. Für mich eine echte Überraschung.

Der ideale Erntezeitpunkt ist übrigens, wenn die Oliven ihre Farbe von grün auf schwarz bzw. lila wechseln. Dann sind sie perfekt für die Ölgewinnung.

 

 

Zunächst werden Zweige und Blätter durch eine Gebläse-Maschine entfernt. Dann werden die Oliven gewaschen.


Als nächstes wird der Kern entfernt. Zumindest war das in dieser Olivenpresse so. In anderen Produktionsstätten bleibt der Kern drin. Danach kommen die Oliven in den Häcksler und dann direkt in eine große Trommel, wo sie einige Minuten bei verschiedenen Temperaturen vermanscht werden. Wichtig: In der Trommel darf es maximal 32 Grad haben, Stichwort: kaltgepresst.

 

Nächster Schritt ist die Zentrifuge. Hier werden Wasser, Fruchtfleisch und sonstige Partikel entfernt. Und übrig bleibt: Das Öl!

 

Und das war es auch schon! In den meisten Fällen wird das Öl jetzt noch gefiltert. Und dann kann es auch schon in Kanister oder Flaschen abgefüllt werden und geht in den Verkauf.

Die ganze Reportage über meine Reise nach Apulien und die einzelnen Schritte der Olivenernte gibt es im nächsten Herbst in der FOOD & FARM. Bis dahin lasse ich mir die sechs Flaschen Olivenöl schmecken, die ich in meinem Koffer nach Hause geschmuggelt habe.

Carolin Nuscheler